
Wie sieht ein selbstbestimmtes Leben mit Behinderung und persönlicher Assistenz aus? Welche Rolle spielen Beruf und Ehrenamt? Und was muss ich bedenken, wenn ich verreisen oder ein Konzert besuchen möchte? Darüber durfte ich vor Kurzem wieder mit angehenden Pflegekräften an der Pflegeschule Günzburg sprechen.
Solche Begegnungen sind mir wichtig. Sie bieten die Möglichkeit, direkt miteinander ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und einen Alltag kennenzulernen, der im Unterricht sonst oft nur theoretisch behandelt wird.
Persönlicher Austausch statt trockener Theorie
Ich berichtete davon, wie ich meinen Alltag mit Assistenz organisiere und wie diese Unterstützung mir ermöglicht, mein Leben nach meinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. Dazu gehören meine berufliche Tätigkeit und mein ehrenamtliches Engagement genauso wie Reisen und Freizeitaktivitäten.
Die angehenden Pflegekräfte konnten ihre Fragen direkt an mich richten. Dabei ging es um meine persönlichen Erfahrungen und um die vielen organisatorischen Dinge, die im Hintergrund dazugehören. Denn ein Ausflug oder eine Reise beginnt für mich häufig lange vor der eigentlichen Abfahrt.
Reiseplanung mit einigen Fragezeichen
Anschließend durften die Teilnehmenden selbst aktiv werden. In Gruppen sollten sie einen Konzertbesuch mit Übernachtung sowie einen Wochenendtrip nach Hamburg planen – jeweils unter Berücksichtigung meiner Bedürfnisse als Rollstuhlfahrer.
Was zunächst nach einer einfachen Aufgabe klang, führte schnell zu konkreten Fragen: Ist das Hotel barrierefrei? Ist auch das Badezimmer mit dem Rollstuhl nutzbar? Sind die Zugverbindungen geeignet und die öffentlichen Verkehrsmittel vor Ort zugänglich? Und wie komme ich vom Bahnhof zur Unterkunft oder zum Veranstaltungsort?
So begegneten den Gruppen genau die Barrieren und Unsicherheiten, mit denen ich mich bei meinen eigenen Planungen regelmäßig beschäftige. Die Angabe „barrierefrei“ allein reicht häufig nicht aus. Entscheidend ist, ob die Bedingungen tatsächlich zu den individuellen Anforderungen passen.
Selbstbestimmung im Blick behalten
Mir ist wichtig, dass angehende Pflegekräfte Menschen mit Behinderung auch außerhalb einer Versorgungssituation kennenlernen. Zu meinem Leben gehören Arbeit, Verantwortung, Unternehmungen und der Wunsch, Neues zu erleben. Assistenz schafft dafür die notwendige Unterstützung – die Entscheidungen über mein Leben treffe ich selbst.
Die Gruppenarbeit machte anschaulich, wie viel Recherche und Abstimmung hinter einer Freizeitaktivität stecken können. Gleichzeitig bot sie einen Anlass, gemeinsam über Teilhabe und die Voraussetzungen für einen selbstbestimmten Alltag nachzudenken.
Ich komme gerne wieder
Die Unterrichtseinheit hat allen Beteiligten viel Spaß gemacht. Ich habe mich über das Interesse, die offenen Fragen und den Austausch sehr gefreut.
Vielen Dank an die Pflegeschule Günzburg und die angehenden Pflegekräfte für die Einladung und das engagierte Mitmachen. Ich freue mich schon auf den nächsten Kurs und weitere spannende Gespräche!