So sehen Helden aus

Bereit zum Einsatz: Thomas Burghart in seiner Feuerwehrmontur

Menschen, die sich für ein Ehrenamt engagieren sind für unsere Gesellschaft unverzichtbar. Jeder kann sich einsetzen, seine Welt durch Engagement ein Stück lebenswerter zu gestalten. Jeder? Ja, es gibt keine Grenzen, keine Hürden. So sieht das auch Thomas Burghart.

Als Kleinkind wurde bei ihm eine sogenannte Muskeldystrophie diagnostiziert. Dabei handelt es sich um eine Muskelerkrankung, welche zur Muskelschwäche führt. Wie viele Kinder war Thomas schon immer Feuer und Flamme für die Feuerwehr und fand schnell Anschluss: Seine Geschichte als Floriansjünger begann über einen freundschaftlichen Kontakt zur Feuerwehr Jettingen. Heute ist er in der Feuerwehr Reisensburg und dem Kreisfeuerwehrverband Günzburg e.V. aktiv.

Vielfalt: Jeder ist willkommen

„Der Zusammenhalt in der Feuerwehr ist einmalig. Jede zweite Woche finden Übungen statt. Hinzu kommen verschiedene Trainings wie das Fahrsicherheitstraining. In Pandemiezeiten gelten natürlich teilweise besondere Bedingungen. Wir müssen uns aufeinander verlassen können, das schweißt zusammen“, beschreibt Thomas seinen Verein. In Reisensburg ist dieser sogar sehr vielfältig. Unter den 35 Aktiven sind drei Frauen. Auch ein Kamerad aus Syrien ist hier aktiv, weil er der Gesellschaft in seiner neuen Heimat etwas zurück geben will. Damit der Verein so stark bleibt, wird viel Wert auf Jugendarbeit gelegt. Aktuell sind 45 Jugendliche zwischen acht und zwölf Jahren stolze Mitglieder und werden bei entsprechenden Kursen zu Feuerwehrleuten ausgebildet. Rund 500 Einsatzstunden bei 36 Einsätzen haben die Floriansjünger im letzten Jahr gemeinsam gemeistert.

Eine tatkräftige Truppe

Thomas Burghart unterstützt die Kameraden am Funk, bei den Berichten, der Organisation und der Betreuung in der Jugendarbeit und er ist Ansprechpartner für die Öffentlichkeitsarbeit. Auch bei Einsätzen ist er vor Ort und betreut Betroffene. Er findet beruhigende Worte, damit die Betroffenen mit der Situation – egal ob Unfall, Brand oder Hochwasser – zurecht kommen und sie nicht in Panik verfallen. Wie wichtig dieser Beistand ist, wird schnell klar, wenn er von seinen Einsätzen erzählt. Insbesondere Unfälle mit Todesfolge sind für alle Beteiligten schwer zu verkraften. An seinen ersten Einsatz bei einem Unfall, der zum Tode einer Bekannten führte, denkt er seit 2004 immer wieder zurück.

Mit Assistenz im Einsatz

Der Piepser ist immer aktiv. Durch sein Engagement im Kreisfeuerwehrverband und seine Aufgabe als Berichterstatter vor Ort, wird jeder Vorfall im Kreis bei Thomas Burghart gemeldet. Wenn er zum Einsatz aufbricht, gibt es einen klaren Ablauf: Seine Assistenzkraft fährt ihn zur Einsatzstelle. Diese muss außerhalb des Einsatzortes warten. In voller Montur fährt er mit seinem Rollstuhl direkt an den Ort des Geschehens und nimmt sich seinen Aufgaben an.

Freiheit und Selbstbestimmung

Von seiner Krankheit lässt sich Thomas nicht einschränken. Seit rund eineinhalb Jahren wird er rund um die Uhr von Assistenzkräften begleitet. Ihre Aufgabe ist es, ihm im Alltag „Hände und Beine zu leihen“, damit er der Tag von der Fahrt zur Arbeitsstelle bis zur Ausübung seiner Hobbys selbstbestimmt gestalten kann. Bei der Auswahl neuer Bewerberinnen und Bewerber entscheidet die Chemie. Gute Gespräche und die Bereitschaft sein abwechslungsreiches Leben – auch die spontanen Einsätzen – zu begleiten, sind wichtig für eine Beziehung auf Augenhöhe.

Alles im Blick

Thomas Burghart ist nicht nur smart und vielseitig gebildet, sondern auch ehrlich und direkt. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ihm die Stadt Günzburg das Amt des Behindertenbeauftragten angeboten hat. „Bayern Barrierefrei 2023“ – an diesem Modellprojekt des Freistaates Bayern nahm die Stadt Günzburg erfolgreich teil und Thomas ist ein wichtiger Teil insbesondere als Berater bei der praktischen Umsetzung. Aus eigener Erfahrung macht er Hindernisse sichtbar und kann sich dabei aber auch auf die Bedürfnisse anderer Menschen mit Einschränkungen einstellen: „Ein Blinder beispielsweise braucht Orientierungspunkte mit rund drei Zentimetern Höhe. Für Rollstuhlfahrer sind das aber schon Hürden, die nicht einwandfrei passierbar sind.“

Apell

Hat bei so viel „Ehrenamt“ das Privatleben noch genug Raum? Ja, „Burgl“, so der Spitzname des Reisensburgers, pflegt viele Freundschaften und betont: „Jeder kann sich bei der Feuerwehr engagieren. Keine Scheu: Keiner muss alles können und allzeit bereit sein. Jeder leistet, was er oder sie kann und wird schrittweise in die Aufgaben eingeführt. Es gibt einem selbst ein gutes Gefühl, etwas zu bewegen und Hilfe zu leisten.“Info:

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Begleite mich im Alltag und bei meinen Einsätzen.

Mehr dazu unter www.burgl.net

Quelle des Berichts: https://www.staz.de/region/guenzburg/lokales/so-sehen-helden-id234108.html